Blickpunkt Schildesche

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Sofagespräch – Pit Clausen
Toller Auftakt der neuen Gesprächsreihe in Schildesche: Oberbürgermeister Pit Clausen im Gespräch mit Annika Pott von Radio Bielefeld.
Das Konzept der ‚Sofagespräche‘ wurde gemeinsam von AWO und BGW entwickelt und so skizzieren Sonja Heckmann (AWO) und Oliver Klingelberg (BGW) die Idee: alle acht Wochen wird eine Persönlichkeit auf dem Sofa Platz nehmen. Die Sofagespräche werden sich um das Thema Nachbarschaft im weitesten Sinne drehen. Was macht unser Zusammenleben aus, wie kann man Menschen zusammenbringen, Brücken zwischen ihnen schlagen. In diesem Sinne kommen die Persönlichkeiten zu den Menschen ins Quartier, stehen auch allen Zuhörern Frage und Antwort. Lernen Sie den Menschen auf dem Sofa aus einer persönlichen Perspektive kennen!
Mit den ersten Fragen versucht Annika Pott Pit Clausen als Person kennenzulernen. Die Zuhörer erfahren, dass er in Düsseldorf geboren wurde, in Hilden aufgewachsen ist und unbedingt in Bielefeld studieren wollte: „Bielefeld als Reform-Uni hatte ein 1-Phasen-Modell für das Jurastudium entwickelt, wir studierten in Trimestern und waren nach sechseinhalb Jahren inkl. Referendariat fertig – das war anstrengend, aber hat auch Spaß gemacht.“ Nach dem Jurastudium hat Pit Clausen in Bielefeld zwanzig Jahre als Arbeitsrichter gearbeitet. Seine Eltern charakterisiert er als eher streng, aber liebevoll: „Ich komme aus einfachen Verhältnissen, ich war der erste in der gesamten Verwandtschaft mit Abitur und der erste mit einem Studium. Meine Eltern haben mich immer bestärkt, nach dem Motto ‚hab keine Angst, mach Dein Ding‘.“ Pit Clausen hat einen Bruder, Jürgen, die beiden sind eineiige Zwillinge. „Wir sind uns so ähnlich, dass ich auf alten Fotos selbst mitunter nicht genau sagen kann, wer von uns da wo gesessen hat. Verstärkt wurde das, weil unsere Mutter alle unsere Klamotten immer doppelt gekauft hat und wir auch immer gleichzeitig die gleichen Hosen, Pullis etc. angezogen bekamen. Das konnten mein Bruder und ich erst mit Beginn der Pubertät beenden,“ beschreibt Pit Clausen seine frühe Jugend und lacht in der Erinnerung an diese Zeit. „In diesen Wochen haben mein Partner und ich meine Eltern hier nach Bielefeld geholt. Wir haben eine tolle Wohnung bei der Freien Scholle in einem Wohnprojekt nach dem Bielefelder Modell gefunden. Jetzt können wir uns um die beiden besser kümmern. Für mich habe ich noch keinen Plan für das Alter. Ich nehme jeden neuen Lebensabschnitt an und versuche das Beste daraus zu machen. Mein Arbeitsalltag ist zwar sehr durchgeplant, aber trotzdem sehr turbulent. Das schlägt auch auf unseren Zwei-Personen-Haushalt durch, wir haben ein völlig chaotisches Einkaufsverhalten! Ob sich das noch mal ändert …?“ Im übrigen hat sich Pit Clausen ganz bewusst für Schildesche entschieden: „Schildesche ist ein ganz besonderer Stadtteil. Fast alles ist fußläufig erreichbar, sowohl ins Stadtzentrum, als auch in das grüne Umland ist es nicht weit. Und wir haben mit unseren Nachbarn sehr viel Glück gehabt. Wir helfen einander, vertrauen einander und feiern miteinander. Nachbarschaft bedeutet für mich, Hilfe anbieten aber auch um Hilfe bitten.“
Thema Politik
„Zusammen mit fünf Kommilitonen bin ich 1983 in die SPD eingetreten, weil wir in zahllosen Diskussionen zu der Erkenntnis gelangt waren, dass man seine Position in der Gesellschaft finden und einnehmen sollte, sich einmischen und mitmachen. Zu Anfang waren wir bei den Jusos und machten Hochschulpolitik. Da hatte ich noch überhaupt keine Ahnung von Kommunalpolitik, wir debattierten über die ganz großen Fragen, Ost-Politik, NATO-Doppelbeschluss, Nachrüstung, Atomkraft und solche Sachen. Meine erste Kandidatur zum Rat folgte 1994, damals noch mit handgemalten Plakaten, mein Ortsverein hatte mich dazu überredet. Ich konnte das Mandat direkt gewinnen und wurde sozialpolitischer Sprecher der Ratsfraktion. Nach der nächsten Wahl schickte mich die Fraktion in den Jugendhilfe-Ausschuss, wieder eine Legislatur später wurde ich Fraktionsvorsitzender. Damit saß ich kommunalpolitisch in der ersten Reihe! 2004 die erste Kandidatur in der Direktwahl zum Oberbürgermeister mit 42 Jahren, mit nur 120 Stimmen Vorsprung gewann damals Amtsinhaber Eberhard David. Inzwischen bin ich seit acht Jahren OB dieser Stadt, aber es gab wirklich keinen Masterplan für den Weg hierhin, es hätte auch ganz anders kommen können.“
Arbeitsalltag Oberbürgermeister
Pit Clausen: „Jeder Tag ist anders. Schlicht, weil man einfach nicht vorherbestimmen kann, was in einer Stadt wie Bielefeld alles passiert und was die sofortige Reaktion des OB oder zumindest eine rasche Entscheidung erfordert. Natürlich gibt es eine Grobstruktur, z.B. der Montag ist der Gremientag, aber auch da muss ich mitunter fernbleiben. Zum Glück kann ich mich auf mein tolles Büroteam verlassen, das immer den Überblick behält. Jedes Jahr erreichen mich etwa 2.500 Terminanfragen oder nehmen wir die 5.000 Beschäftigten dieser Stadt mit der entsprechenden Zahl von Personalentscheidungen – ohne die Mitarbeiter*innen im Büro hätte ich da keine Chance. Mich trägt die Vorstellung, mit Visionen zu der Entwicklung unserer Stadtgesellschaft beizutragen. Ich möchte, dass wir Sachen in Bielefeld einfach besser machen. Daher begleite ich das politische Geschehen in dieser Stadt nicht nur, sondern versuche immer aufs Neue Impulse zu geben. Das gehört meinem Verständnis nach zu meiner Aufgabe als OB, mehr noch, ist ureigenster Teil meines Jobs.“
Der bekennende Hundefan ist in Begleitung von Scotty („der ist jetzt gerade acht Monate alt und sprüht nur so vor Energie“) zu Fuß zu der Veranstaltung gekommen. „Scotty hilft mir auch, bestimmte Zeiten tatsächlich von anderen Dingen frei zu halten. Wenn ich mit ihm unterwegs bin, kann ich neue Gedanken fassen, mich neu sammeln. Das gilt gerade auch für die halbe Stunde, die ich jeden Mittag mit ihm draußen bin. Diese halbe Stunde verteidige ich eisern!“
Urlaub heißt für Pit Clausen, Bielefeld zu verlassen. Daher die Antwort auf die letzte Frage von Annika Pott: Nordsee oder Nordpark? „Nordsee ist Urlaub, Nordpark ist Alltag“
Oratorium „Elias“
Die Kantorei der Stiftskirchengemeinde Schildesche wird am Sonntag, dem 21. Januar 2018 gemeinsam mit Solisten und den Mitgliedern der Philharmonien Herford und Bielefeld das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy aufführen.
Mendelssohns Werk gehört zu den Meisterwerken der Chorliteratur des 19. Jahrhunderts und gilt als Höhepunkt in seinem kompositorischen Schaffen. Nach dem zehn Jahre vorher entstandenen „Paulus“ wird der „Elias“ 1846 in Birmingham uraufgeführt. Mendelssohn knüpft in seiner Tonsprache an seine Vorbilder Bach, Händel und Haydn an und entwickelt zugleich eine ungeheure Dramatik, in der er sehr anschaulich, wie in einer Oper, die alttestamentliche Erzählung über den Propheten Elias umsetzt. Er charakterisiert Elias als den unerschrockenen Eiferer für den christlichen Glauben, Wundertäter und erbitterten Gegner des heidnischen Baalskultes.
Chorsätze wie „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ und „Hebe deine Augen auf“ gehören als bekannteste und beliebteste Stücke zum Repertoire vieler Chöre.
Bemerkenswert ist Mendelssohns theologische Wendung am Schluss des Werkes mit seinem Ausblick auf Jesus Christus in dem Chorsatz „Aber einer erwacht von Mitternacht“. Hier verbinden sich jüdische und christliche Theologie.
Das Konzert in der Stiftskirche beginnt um 17.00 Uhr. Als Solisten wirken mit: Cornelie Isenbürger, Sopran; Evelyn Krahe, Alt, Johannes Klüser, Tenor; Frank Dolphin-Wong Bass (Elias), Anna Wiens, 2. Sopran (Chor der Engel) und Alexandra Holz, 2. Alt (Chor der Engel)
Die Leitung hat Barbara Jansen-Ittig.
Eintritt:
•  nummeriert 20,-€/17,-€ (ermäßigt für Schüler und Studenten)
•  unnummeriert 15,-€/13,- (ermäßigt)
Karten sind im Vorverkauf erhältlich:
•  Buchhandlung Welscher
•  Gemeindebüro der Stiftskirchengemeinde, Johannisstraße 13

Spende an das Mädchenwohnheim „Halhof“
Ein außergewöhnlicher Freund
Der Siemens-Konzern stellt seinen Niederlassungen in Deutschland pro Jahr jeweils 3.000,- € zur Verfügung, mit denen soziale Projekte vor Ort gefördert werden können. Über die Vergabe können die Leitungen autonom entscheiden. Seit nunmehr 15 Jahren fördert der Leiter der hiesigen Niederlassung, Friedhelm Lohmann, mit diesem Betrag jährlich gezielt einer der vier Einrichtungen der Erziehungshilfe in städtischer Trägerschaft (Haus Linie 3, Rolf Wagner Haus, Wintersheide und Mädchenwohnheim Halhof), insgesamt mit inzwischen 45.000,- €.
Der Sozialdezernent Ingo Nürnberger erklärte dazu: „Friedhelm Lohmann ist der einzige Wirtschaftsführer dieser Stadt, der diese vier Einrichtungen aus eigener Anschauung kennt. Und nicht nur das, sondern er sucht immer wieder aktiv die Möglichkeit zu helfen. Fürwahr ein außergewöhnlicher Freund.“ Ingo Nürnberger musste feststellen, dass gerade für die Arbeit mit Jugendlichen Spenden sehr selten sind. Daher sticht das Engagement von Friedhelm Lohmann ganz besonders hervor. Seinen Anfang nahm es bei seinem 25jährigen Betriebsjubiläum, als Friedhelm Lohmann statt Geschenke für eine Spende an eine soziale Einrichtung gebeten hatte und bei der Suche nach einem passenden Adressaten auf die städtischen Einrichtungen gestoßen war. Auch bei seinem 40jährigen Jubiläum setzte er dies fort und konnte so „außer der Reihe“ zusätzlich 2.000,- € an das Haus Wintersheide übergeben.  
In diesem Jahr freuen sich die Bewohnerinnen des Bielefelder Mädchenwohnheims „Halhof“ im Stadtbezirk Schildesche über die Spende. Mit dem Geld wollen sie unter anderem Fahrräder und eine Karaoke-Maschine kaufen. Den Spendenscheck überreichte Siemens-Niederlassungsleiter Friedhelm Lohmann an Wohnheim-Leiterin Stephanie Sinemus im Beisein von Sozialdezernent Ingo Nürnberger und Jugendamtsleiter Georg Epp.
Seine Beweggründe fasste Friedhelm Lohmann schlicht und bescheiden in der Aussage zusammen, er selbst hätte an vielen Stellen in seinem Leben Glück gehabt und er fühle sich aufgefordert, von diesem Glück etwas zurückzugeben. In den Gesprächen in den Einrichtungen hat er über die Jahre regelmäßig erfahren können, wie häufig die sozialpädagogische Hilfe durch die Mitarbeiter in den Häusern tatsächlich eine Wende im Leben der betroffenen Jugendlichen eingeleitet hätte. Das wäre jeden Euro wert.
Das Mädchenwohnheim „Halhof“ ist seit August 1979 eine Einrichtung der Erziehungshilfe in Trägerschaft der Stadt Bielefeld. Es befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes, der inzwischen von der Jugendorganisation Die Falken bewirtschaftet wird. „In unserem Haus können neun Mädchen langfristig wohnen. Ihnen wird ein Lebensbereich geboten, der es ermöglicht, seelische wie körperliche Verletzungen zu überwinden und soziale Erfahrungen zu analysieren, um gemeinsam mit Sozialarbeiter- und Erzieherinnen sowie einer Sozialpädagogin neue Lebensperspektiven für sich zu erarbeiten. Dafür kommt die Spende wie gerufen, gerade in finanziell knapper Zeit“, freut sich Stephanie Sinemus.
Man mag es sich kaum vorstellen, aber im Stadtgebiet Bielefeld werden pro Jahr etwa 240 Jugendliche in Obhut genommen. Das Mädchenwohnheim „Halhof“ ist dann eine der möglichen Anlaufstellen. In Bielefeld leben aktuell etwa 500 Kinder unter 6 Jahren und etwa 700 Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren in Pflegefamilien. Jeden Tag, so berichtete Georg Epp, fahren seine Mitarbeiter raus und suchen Familien auf, um Problemfälle zu analysieren und Hilfen zu organisieren. Bei diesen Zahlen wird deutlich, welche wichtige Funktion die Erziehungshilfe in unserem sozialen System einnimmt.
Auf der anderen Seite machte Stephanie Sinemus allerdings auch deutlich, dass die Hilfe von den betroffenen Jugendlichen auch angenommen werden muss. Mit wenigen Ausnahmen ist dies jedoch der Fall. Aufgrund der hohen Fallzahlen kommt dem Mädchenwohnheim „Halhof“ momentan mehr eine Funktion als Clearingstelle zu, mit 13 Bewohnerinnen arbeitet man am Limit. Die Mädchen können daher auf dem „Halhof“ nicht so lange bleiben, wie sie es sich selber oft gerne wünschen.

summ, summ
... Ihr Blick schweift von der Fahrbahn von Ihnen zur Seite. In dem kleinen Seitenfenster zuckelt die Landschaft vorbei. Auf langen Halmen wiegt sich das Getreide im Wind, allenthalben von blauen und roten Punkten durchsetzt, Kornblumen, Klatschmohn. PATSCH! Ein fünfmarkstückgroßer Fleck mitten auf der Windschutzscheibe. Langsam ziehen Fäden aus der gelbgrünen Masse nach oben, bis der warme Fahrtwind sie ausgetrocknet hat ...
Sofern Sie in den sechziger, siebziger oder achtziger Jahren mit dem Auto über Land gefahren sind, war spätestens beim nächsten Tankstopp ein Familienmitglied damit beschäftigt, die Frontscheibe von unzähligen Insektenresten zu befreien, falls dies nicht vom Tankwart selbst erledigt wurde. Heute können Sie quer durch die Republik fahren und am Ende die Reste der bedauernswerten Kreaturen auf Ihrer Scheibe an einer Hand abzählen. Vorbei auch die Zeit, wo Sie einen freundlichen Radfahrer an den Fliegen zwischen den Zähnen erkennen konnten. Sie sind weg. Die Insekten. Seit vielen Jahren nimmt ihre Zahl beständig ab, in den wenigen Untersuchungen, die wissenschaftlichen Kriterien standhalten, zum Teil im erschreckenden Ausmaß (bis zu 70% und mehr).
„Es ist noch zu früh, einen eindeutigen Verursacher zu benennen, uns fehlt einfach mehr belastbares Zahlenmaterial,“ erklärt Dr. Isolde Wrazidlo, Direktorin des Namu in Bielefeld, „aber die Art und Weise, in der hierzulande überwiegend Landwirtschaft betrieben wird, steuert auf jeden Fall ein gerüttelt Maß zu der Lage bei.“ Eine eMail an Rita Rehring, Pressesprecherin des WLV (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband), vor einigen Wochen. Frage: Wie unterstützt der WLV seine Mitgliedsbetriebe in dieser Sache, gibt es vielleicht schon Handreichungen dazu? Rita Rehring meldet sich per Autotelefon: „Also wir haben gerade am Wochenende eine ausgedehnte Fahrradtour unternommen und da waren reichlich Insekten in der Luft. Wenn es in einem Jahr mal weniger sind, hat das auch mit der kühlen Witterung zu tun. Überhaupt ist das ein Thema, was die NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) unnötig aufbauschen!“ Nun zählt das Bundesumweltministerium nicht gerade zu den NGOs, aber wenn ein landwirtschaftlicher Verband so mit einem Thema umgeht, kann man bestenfalls davon ausgehen, dass die Tragweite des Vorgangs nicht begriffen wurde.
Unterhält man sich mit einem Landwirt, der seinen Hof noch bewirtschaftet, so wird dieser einem sehr eindeutig nahebringen, dass er sich als selbständiger Unternehmer versteht, der seinen Betrieb am Ende des Tages erfolgreich durch das Jahr bringen muss. Völlig unstreitig wird jeder ihm zubilligen, dabei auch einen Gewinn zu erwirtschaften, der u.a. die kommenden Investitionen ermöglicht und auf lange Sicht den Betrieb, den Hof, schuldenfrei an die nächste Generation zu übergeben. Betriebswirtschaft ist daher in der Ausbildung junger Landwirte ein wichtiger Schwerpunkt. Leider tauchen Insekten in der BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) nicht auf. Stattdessen schlagen grotesk niedrige Verbraucherpreise unmittelbar durch – das Pfund Hackfleisch zu zwei Euro, das Kilo Hähnchenschenkel zu etwas über einem Euro (Preise aus der Werbung vom 25.8.2017), denken wir überhaupt darüber nach, welchen Irrsinn wir damit befördern?
Bislang konnten Landwirte immer darauf hoffen, dass für die entstehenden Probleme technische Lösungen gefunden wurden. Als die Traktoren die verdichteten Böden nicht mehr bearbeiten konnten, wurden die Schlepper immer stärker und größer. Mit den heutigen Spitzenmodellen ließe sich wahrscheinlich problemlos eine Furche in einen Braunkohleflöz ziehen. Immer neue Herbizide hielten die Wildkräuter auf Distanz, andere Biozide verdrängten die Schimmelpilze, z.B. den schwarzen Rost. Letzterer breitet sich inzwischen im Mittelmeerraum in einer Variante aus, die resistent gegen alle derzeit bekannten Gifte ist. Der inzwischen multiresistente Ackerfuchsschwanz sorgt dafür, dass auf einigen Flächen in Deutschland der Getreideanbau eingestellt werden mußte (Die Zeit 30/2017). Hier geht auch nicht das Motto „viel hilft viel“, dessen Anwendung beim Einsatz eines Totalherbizids für die Rekultivierung einer Brache für den Maisanbau im vergangenen Jahr die Nachtigallpopulation in der unteren Johannisbachaue ausgelöscht hat.
Und jetzt die Insekten. Deren Verschwinden bringt nicht nur Vögel, Fledermäuse, Frösche und zahlreiche weitere Tierarten in unmittelbare Bedrängnis, auch uns wird es treffen, zuallererst die Landwirtschaft. In China existieren bereits Landstriche, in denen die Bestäubung der Nutzpflanzen durch Erntehelfer vorgenommen wird. Soll es hierzulande soweit kommen?
Eine verpflichtende Umstellung des konventionellen auf einen biologischen Landbau erscheint uns illusorisch. Das mag auch so sein. Aber es gibt gangbare Wege, jetzt und sofort zu handeln, selbst wenn diese das Problem nicht gänzlich lösen werden. Vor gut 25 Jahren hat die Stadt Bielefeld ein sog. „Ackerrandstreifen-Programm“ initiiert. Dies hatte zwar vordergründig den Erhalt von Ackerwildkräutern zum Ziel, der Nebeneffekt einer besonders vielfältigen Insektenfauna wurde jedoch schon seinerzeit beschrieben. Blühstreifen-Programme gibt es heute immer noch, es machen jedoch zu wenig Landwirte mit. Warum ist die Sache mit den Insekten eigentlich so wichtig? Weil zwei Drittel der hundert wichtigsten Nutzpflanzen von der Bestäubung durch Insekten abhängig sind. Und weil wir immer noch weit davon entfernt sind zu verstehen, welche komplexen Auswirkungen die vorsätzliche Zerstörung gewachsener Ökosysteme haben wird.
Monokulturen, Insektizide, insbesondere Neonicotinoide, das Verschwinden von Auen und Feuchtwiesen, die zunehmende Rekultivierung ehemaliger Grünbachen, möglicherweise erste Auswirkungen des Klimawandels und noch andere Faktoren – alles zusammen ruiniert unsere Insektenfauna. Allen gemeinsam ist, dass menschliches Handeln ursächlich ist. Also ist es an uns, dies zu ändern.
Die landwirtschaftlichen Verbände betonen, dass an der derzeitigen Form der landwirtschaftlichen Produktion kein Weg vorbei führt. Stimmt das?  Wir stimmen jeden Tag an der Fleisch- und Gemüsetheke darüber ab. Wir bestimmen alle paar Jahre mit der Zusammensetzung von Gemeinderäten und Parlamenten über den voraussichtlichen Weg dieser Gesellschaft für die nächsten Jahre, ein Blick nach Düsseldorf kann einen in dieser Hinsicht zur Verzweiflung treiben. Beim Klimawandel haben wir den Point of no return in einzelnen Bereichen bereits überschritten. Die Auswirkungen werden unsere Kinder und Enkel im Sinne des Wortes „ausbaden“ müssen. Die Auswirkungen eines weiterhin ungebremsten Insektensterbens werden wir noch selber bezahlen dürfen, ebenso wie die immer teurere Reinigung unseres Trinkwassers von Düngemittelresten. Aber das ist eine andere Geschichte.
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